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Frankfurt: Unterwegs im Dienste des Herrn

Schwester Erika ist Diakonisse und arbeitete 57 Jahre am Krankenhaus Sachsenhausen. Nun geht sie zurück nach Marburg.

Erika Born war früh klar, dass sie etwas für Gott tun wollte. Ihr Weg zur Diakonisse war trotzdem lang und wäre ohne das Mitwirken des Herrn, so sagt sie, wohl nie so verlaufen. „Ich bin in Gottes Hand“, sagt die 81-Jährige.

Schwester Erikas Geschichte ist aber auch eng mit dem DGD- (Deutscher Gemeinschafts-Diakonieverband) Krankenhaus in Sachsenhausen verwoben. Vor 57 Jahren kam sie nach Frankfurt. Seit ebenso vielen Jahren arbeitet sie im Krankenhaus. „Es war unser Haus“, erinnert sie sich an die Zeiten, als noch 74 Diakonissen dort tätig waren. Nach Schwester Erikas Abschied sind es nur noch drei. Diakonissen sind – wenn man es so sagen darf – eine verschwindende Art. Seit gut 30 Jahren nehme das Diakonissenmutterhaus in Marburg keine neuen Schwestern mehr auf. Das Interesse an der Verpflichtung ist quasi erloschen.

Schwester Erika ist 1941 in Marburg geboren und wuchs in Kirchhain auf. Nach ihrer Konfirmation sei ihr klar geworden, dass sie für Gott unterwegs sein will. Doch einfach macht sie es dem Herrn nicht: „Ich habe Gott um Zeichen gebeten, dass es der richtige Weg ist.“

Die Mutter ist von Anfang an dagegen. „Für meine Mutter war es ein Drama. Ich war ihr einziges Kind.“ Der Vater war im Zweiten Weltkrieg gefallen. Die Zustimmung der Mutter war eines der Zeichen, die Erika erbat.

Ob Zeichen oder Wunder – die heute 81-Jährige musste recht lange darauf warten. Als sie 21 wurde, verbrachte ihre Mutter einen Urlaub mit der Verwandtschaft. Die hätte ihr ins Gewissen geredet, denn nach diesem Urlaub gab sie tatsächlich ihre Zustimmung. Doch Erika war noch nicht zufrieden. Sie bestand darauf, nichts in die Wege zu leiten, um Diakonisse zu werden. „Ich musste darauf angesprochen werden.“ Bei einer Zusammenkunft in Wehrda ging es um die Pläne der jungen Frauen. Plötzlich sagte jemand zu ihr: „Erika, was hindert dich daran, Diakonisse zu werden?“ Da musste sie lachen und war sich sicher: Das war das letzte Zeichen.

Es folgte die Probezeit im Mutterhaus in Marburg. 1966 trat sie schließlich ein. Für drei Jahre war sie in der Krankenpflege am Krankenhaus Sachsenhausen tätig. Dann wurde sie ins Büro gesandt und kam in die Personalabteilung, wo sie auch 20 Jahre als Leiterin fungierte.

Während andere mit 65 oder ein paar Jahren mehr in Ruhestand gehen, war für Diakonissen selten Schluss. Alle Diakonissen, an die sie sich erinnern kann, sind länger geblieben, sagt Schwester Erika.

Sie selbst wollte immer vor ihrem 70. Geburtstag mit der Arbeit im Büro aufhören. Das klappte halbwegs, doch die gebürtige Marburgerin blieb am Krankenhaus und war nun in der Seelsorge aktiv. „Ich liebe die Bibel. Das Wort Gottes trägt mich durch den Tag“, sagt sie. Deshalb wollte sie auch anderen diesen Zugang ermöglichen. Sie verteilte Bibeln und kirchliche Literatur in mehr als 70 Sprachen.

„Ich hatte viele schöne Gespräche. Überredet habe ich nie jemanden“, erzählt sie. Für Druck sei sie nie gewesen. Viele Menschen hätten dann ihr Herz geöffnet und sich mitunter auch riesig über die Bibeln gefreut. Ansonsten hielt Schwester Erika Andachten in der Kapelle im Krankenhaus und besuchte die Patientinnen und Patienten. „Wenn sie mich sahen, wussten die Menschen, da kommt was Frommes.“

An ihre Zeit im Krankenhaus hat sie viele schöne Erinnerungen. Besonders einprägsam waren die gemeinsamen Gesänge. Da wurde an Weihnachten schon mal auf dem Flur gesungen „und da ist sogar der Chefarzt auch dazu gekommen“. Auch ein Ständchen zum Geburtstag war keine Seltenheit. Mit den Jahren sei das aber anders geworden.

Ihr persönliches unvergesslichstes Erlebnis hatte die Schwester 1980. „Da hat mir Gott das Leben gerettet.“ Mit dem Fahrrad war sie damals auf dem Weg zu einem Einsatz. Voll gepackt mit Bibeln und Literatur war sie auf der Friedensbrücke im Nieselregen unterwegs, als ein Auto von der Fahrbahn abkam und in sie hineinfuhr.

Das schwere Rad landete im Main, sie selbst lag auf dem Radweg und war kaum verletzt. Mindestens ein Schutzengel sei da wohl am Werk gewesen, ist sie sich sicher. Noch heute denke sie an den Unfall, wenn sie über die Brücke fahre.

In wenigen Tagen zieht die 81-Jährige nun doch zurück nach Marburg. Sie erhält einen Wohnplatz im Feierabendhaus. „Es ist an der Zeit“, sagt sie, auch wenn ihr der Abschied schwer falle. Frankfurt sei ihre Heimat geworden.

Den Stadtwald und den Main werde sie am meisten vermissen. Und ihre 92-jährige Nachbarin. „Sie ist mir wie eine Mutter.“ Sie wisse aber auch, dass im Feierabendhaus schon viele Diakonissen sehnsüchtig auf sie warten. Und auch Gott wird wohl weiterhin an ihrer Seite sein.

Bild 1: Schwester Erika Born verlässt nach 57 Dienstjahren das Krankenhaus Sachsenhausen. © Renate Hoyer

Bild 2: Fromme Konfirmandin: Erika Born. © Renate Hoyer

Mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Rundschau.
Erschienen am 04.08.2023, Redakteur: Steven Micksch, Bilder: Renate Hoyer


— erstellt am 08.08.23


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